Arbeitsmarkt Schweiz

Im Sommer veröffentlichte die NZZ am Sonntag einen Artikel über den Arbeitsmarkt Schweiz. Gestützt auf wissenschaftliche Erhebung wurde festgestellt, dass die Bereitschaft in den Unternehmen, ältere Arbeitnehmer zu entlassen, offenbar gestiegen ist. An deren Stelle sollen es nun weitaus jüngere Fachkräfte richten. Was sind die Gründe? Welches sind mögliche gesellschafts- und wirtschaftspolitische Auswirkungen? Ist das der richtige Weg?

Stellen wir uns doch zuerst die Frage, warum sich Kulturen über die Jahrhunderte erfolgreich weiter entwickeln konnten. Die Antwort liegt auf der Hand. Weil Handwerk, Wissen und Erfahrung von Generation zu Generation weiter gegeben wurden. Wird diese Wertschöpfungskette des Wissenstransfers in den Firmen ausgehebelt, besteht die Gefahr, dass viel Know How verloren geht.

 

Ältere Mitarbeiter stützen sich bei ihren Entscheidungen verstärkt auf Erfahrungswerte ab. Sie haben aus Fehlern gelernt und beurteilen Situationen aus einer anderen Sicht. Sie verfallen nicht mehr so leicht in Aktionismus und halten gerne an dem fest, was sich bewährt hat. Sie bilden mit ihrem Wissen und ihrer Erfahrung einen wichtigen und wertvollen Gegenpool bei den Entscheidungsfindungen ihrer Arbeitgeber.

 

Warum also werden vermehrt ältere Arbeitnehmer entlassen?

 

Was immer auch an Gründen vorgeschoben wird, viele lassen sich leicht entkräften. Welche Motive stecken wirklich hinter diesen Entlassungen? Entspricht dies dem heutigen Zeitgeist, dass fundamentale Werte zunehmend an Bedeutung verlieren? Einem Zeitgeist, der nicht mittel- oder langfristige Überlegungen in den Vordergrund stellt, sondern kurzfristige Resultate sehen will? Lieber heute als morgen, ganz im Sinne des kurzfristigen Gewinnes? Egal was es kostet?

 

Wer auch immer Entscheide aufgrund kurzfristiger Überlegungen fällt und diese auch noch in die Tat umsetzen will, setzt gerne auf jüngere Mitarbeiter. Nicht weil jüngere Mitarbeiter naiv sind, sondern weil ihnen noch die notwendigen Erfahrungen fehlen und sie daher die Tragweiten der Entscheidungen gar nicht wirklich beurteilen können. Ältere Mitarbeiter hingegen hinterfragen mehr und verhalten sich auch kritischer. Sie haben vielleicht schon die Reorganisation der Reorganisation miterlebt und kennen sowohl die Auswirkungen als auch die Konsequenzen.

 

Werden ältere Mitarbeiter deshalb vermehrt ausgemustert, weil sie aus der Sicht der Vorgesetzten tendenziell die Position der Bremser und nicht der Treiber einnehmen?

 

Wer überlegt handelt setzt auf Bremser und Treiber. Ansonsten lernen zwar die jüngeren wie man es nicht machen soll, doch die Antwort wie man es richtig macht bleibt geschuldet. Im Zuge der soziodemografischen Veränderungen sind wir auf ältere Mitarbeiter je länger je mehr angewiesen. Mit der Ausmusterung von älteren Mitarbeitern schaden sich die Unternehmungen mittel und langfristig selber. Gesellschaftspolitisch stellt sich die Frage, ob wir diesen ethischen Wertezerfall auch wirklich in Kauf nehmen wollen. Hier ist auch die Politik gefragt. Die Lösung kann nicht nur die einseitige Erhöhung des AHV Alters sein. Das greift nur, wenn ältere Mitarbeiter auch am Arbeitsleben teilnehmen können. Ansonsten müssen die anderen Sozialwerke und die Kommunen die Lücken füllen. Lücken, die mit hohen Kosten für die Allgemeinheit verbunden sind.