Game Over.  Über Startups, Online-Marketing und Spielverderber.

Sie haben alle etwas gemeinsames und sie werden von etwas getrieben, was ihr Leben verändern soll. Die Rede ist von Startups“, welche von ihrem zukünftigen Business träumen. Schon seit einiger Zeit kreist in ihren Köpfen eine Geschäftsidee herum, die sie nicht mehr los lässt. Da sitzen sie nun bei jeder Gelegenheit im trauten Kreise zusammen, fachsimpeln über das ach so perfekte Geschäftsmodell und wundern sich, warum eigentlich bis jetzt noch niemand auf die gleiche glorreiche Idee gekommen ist.

Nichts kann sie jetzt noch stoppen.

Sie beschliessen, es selber in die Hand zu nehmen. Wenn die anderen so blöd sind und das Potential nicht erkennen, dann ergreifen halt sie diese einmalige Chance selber. Fertig mit nur träumen. Ab sofort sollen ihre Träume auch Wirklichkeit werden. Der Himmel hängt nun voller Geigen und sie haben nur noch ihr zukünftiges Business im Kopf. Wehe dem, wer das jetzt noch hinterfragt oder sich erlaubt, kritische Fragen zu stellen. Pessimisten und Spielverderber sind jetzt absolut falsch am Platz. Alles was nicht passen könnte, wird ab sofort konsequent ausgeblendet. Mit anderen Worten: Komme was wolle, sie bleiben entschlossen, zuversichtlich und vor allem unbelehrbar. 

Mit viel Selbstüberschätzungen frisch ans Werk.

Verkaufen wollen sie ihre Produkte natürlich auch online über einen Webshop. Das boomt im Moment so richtig und lässt sich locker von zuhause aus organisieren. Klar, dass das vielleicht etwas kosten wird. Die meiste Kohle ist logischerweise für den Einkauf der Handelswaren reserviert. Das was übrig bleibt, muss dann für den Webshop reichen. Weitere Marketing Massnahmen braucht es sowieso nicht. Die Idee, den Auftrag für den Webshop an einen externen Profi zu vergeben, war von Anfang an nicht in Stein gemeisselt. Im Gegenteil. Die sind sowieso alle viel zu teuer. Darin waren und sind sich die meisten einig. Eigentlich hatten sie ja schon immer vor, das Ganze lieber in die eigenen Hände zu nehmen. 

Der Irrglaube vom Selbstläufer.

Alsdann basteln sie täglich in ihrer Freizeit am Webshop herum. Doch bevor das Ding überhaupt steht oder geschweige denn online geht, werden schon die ersten Handelswaren geordert. Das fühlt sich einfach gut an, wenn man diese gottgewollten „must have Teile“ schon jetzt in den eigenen Händen halten kann. Klar, der Liquidität geht es im Moment nicht mehr so gut. Aber was soll‘s. Bald läuft der Webshop und dann wir sich das wie von Geisterhand selbst regeln.

Ausser Spesen, nichts gewesen.

Die Zeit vergeht und die Realität hat sie eingeholt. Der selbst gebastelte Webshop ist schon seit langem online und kein Mensch bestellt auch nur irgendetwas. Das Ding kommt einfach nicht vom Fleck. Die Webseite wird nicht gefunden und die paar verirrten Besucher die es dennoch schaffen, schrauben vor lauter Abneigung die Absprungrate in ungeahnte Höhen hinauf. Plötzlich ist dann doch noch guter Rat gefragt. Irgendjemand hat mal etwas von SEO erzählt. Das wissen sie noch und so landen dann einige von ihnen auch bei mir. Das ist doch der ominöse Schalter welcher macht, dass die eigene Webseite über Nacht ganz vorne mit dabei ist. Sie hätten ja auch vielleicht noch ein bisschen Geld zur Verfügung. So ein paar Groschen pro Monat könnten sie für das schon noch irgendwie zusammenkratzen.

Game Over und es naht die Stunde der Wahrheit.

Nützt leider alles nichts mehr, weil die Voraussetzungen für erfolgreiche SEO Massnahmen nicht stimmen und die Webseite überhaupt nicht rockt, sondern hauptsächlich schockt. Mist lässt sich halt nicht optimieren, sondern nur entsorgen. Darum hilft in den meisten Fällen auch nur noch der Affengriff. Stecker raus und nochmals zurück zum Anfang. Aber das darf nicht sein und das geht auch nicht mehr, weil jetzt die Motivation auf einen absoluten Tiefpunkt gesunken ist und die allermeiste Kohle sowieso schon längst wirkungslos verpufft ist. Am Ende bin ich dann der Spielverderber, welcher die schlechte Nachricht überbringt und ihnen das mit viel Einfühlungsvermögen beibringen darf. Aber wie sagt man so schön. Was sein muss, muss halt sein.