Kundenbegeisterung. Und schon wieder macht ein Begriff der Superlative die Runde.

Der zufriedene Kunde ist Schnee von gestern. Was heute zählt, ist der begeisterte Kunde. Zuständig ist der begeisterte Arbeitnehmer, der den Morgen kaum erwarten kann und der voller Begeisterung aus dem Bett springt um die Kunden nicht nur einfach zufrieden zu stellen, sondern geradezu voll zu begeistern. Alsdann betritt er voller Begeisterung und Tatendrang, natürlich hoch motiviert, seinen Arbeitsplatz, wo ihn sein begeisterter Chef auch noch begeistert in Empfang nimmt. 

Aber damit noch nicht genug der Begeisterung. Natürlich sind auch alle anderen Mitarbeitenden, voller Begeisterung über die eigene Firma und Ihrer Aufgaben, voll und ganz mit bei der Sache, um gemeinsam nur einem Ziel zu dienen, der totalen und absoluten Kundenbegeisterung. Die Kunden danken es dann wiederum mit Begeisterung, bestellen wie die Bekloppten und empfehlen die Firma bei jeder nur erdenklichen Gelegenheit voller Begeisterung weiter. Ist das nicht toll?

Ab so viel geballter Begeisterung kann man ja nur noch staunen. Gerade wir Schweizer, die wir die sprichwörtliche Zurückhaltung bei der Begeisterungsfähigkeit in unserer DNA verankert haben, sollen plötzlich vor Begeisterung platzen und unseren Emotionen freien Lauf lassen? Das noch im Berufsalltag? Aber bitteschön. Überhaupt, was soll der ganze Begeisterungsquatsch. Meiner Meinung nach sollten wir wieder auf den Boden des machbaren zurückkehren und einen Gang zurückschalten. Aber vielleicht ist gerade das, in der heutigen Zeit der Superlativen, nicht mehr so sexy. 

Nur mal als Gedankensprung. Was wäre denn die Vorstufe vom begeisterten Kunden?

Der zufriedene Kunde, könnte man doch meinen. Wie steht es denn damit? In Tat und Wahrheit scheiterte das ganze Unterfangen meistens schon hier, bei der Kundenzufriedenheit. Warum ist das so? Noch in keinem Artikel habe ich auch nur ansatzweise erfahren, was die eine und unabdingbare Voraussetzung für eine hohe Kundenzufriedenheit, geschweige denn für eine absolute Kundenbegeisterung, ist. Ich hätte da einen ersten Ansatz im Petto.

Zum Beispiel der Aufbau und die Pflege einer gute Unternehmenskultur, die auf Respekt und Wertschätzung basiert. Verankert in einem Leitbild, welches für alle immer gut ersichtlich ist und die Mitarbeitenden daran erinnert, welche gemeinsamen Werte pro aktiv gelebt und kommuniziert werden sollten.

Sagen wir es doch einfach so, wie es ist. Nur zufriedene und motivierte Mitarbeitende sorgen für zufriedene Kunden. Da müssen wir zuerst ansetzten. Das setzt aber auch voraus, dass wir unser Handeln laufend selbstkritisch hinterfragen und auch bereit sind, immer wieder an uns zu arbeiten. Genau das sollten wir zuerst mit Begeisterung angehen, bevor wir nach den Sternen greifen wollen. Superlative hin oder her. Auch wenn es gerade Mode ist.