Braucht die Wirtschaft überhaupt noch Marketingleiter?

Marketingleiter sind Leader-Figuren. Leistungsstarke Spitzenkräfte, die qualifiziert sind für komplexe Aufgaben. Die Ausbildung zum Marketingleiter ist konsequent auf die aktuellen Bedürfnisse und Erwartungen der Arbeitswelt ausgerichtet. Es ist der Weg der Profis. Eidg. dipl. Marketingleiter sind Meister ihres Fachs. Das schreibt die Prüfungskommission anlässlich der Diplomfeier vom vergangenen Jahr in ihrer Pressemitteilung. Schön und gut. Aber nimmt die Wirtschaft das auch so wahr?

Keine Frage. Die „Big Player“ hierzulande wissen ganz genau, was für Know How sie für ihr Geld bekommen. Nicht zuletzt, weil viele Prüfungsexperten auch aus ihren eigenen Reihen stammen und sie letztlich so mitbestimmen können, welche Absolventen den hohen Anforderungen gerecht werden und welche nicht.

 

Ganz anders sieht es bei den kleineren und mittleren Unternehmungen aus. Auf deren Internetseiten nach Verantwortlichen für das Marketing zu suchen, führt meistens nicht zum Ziel. Eher selten gehören Marketingleiter auch nur der erweiterten Geschäftsleitung an. Viele wissen gar nicht wirklich, was Marketing überhaupt ist. Zu oft wird Marketing auf Werbung oder Verkaufsförderung reduziert. Diese Aufgaben übernimmt dann irgendeine untergeordnete Stelle, die gerade Zeit dafür hat. Ein kleines Inserat hier und dort. Weil man dabei sein will oder muss. Ein bisschen an der Webseite herumbasteln und alle vier Jahre die obligatorische Gewerbemesse. Natürlich alles ganz ungezwungen und konzeptlos. Und das war’s dann schon mit dem Marketing.

 

Es wird auch argumentieren, dass sich kleinere und mittlere Unternehmungen diese teuren Fachkräfte gar nicht leisten könnten. Doch, sie können und doch, es bringt was. Weil sich diese Spezialisten den Lohn selber verdienen. Zum Beispiel weil sie mit ihrem spezifischen Fachwissen, ihrer Erfahrung und ihrem Durchblick die verfügbaren Ressourcen effektiv und effizient einsetzen und damit für Wachstum und zusätzlichen Cash Flow sorgen.

 

Beinahe in jedem Bereich wird heute ausgelagert was das Zeug hält. Das verursacht anstelle von Fixkosten variable Kosten und kann erst noch bedarf- oder projektbezogen erfolgen. Nur beim Marketing harzt es noch gewaltig. Warum nicht auch in diesem für die Zukunft so wichtigen Fachbereich? Es fehlt schlicht und einfach noch der Sinn für mittel- und langfristiges strategisches Denken. Das Geschäft läuft ja immer noch wie von selbst. Warum sollte man sich also schon jetzt zusätzliche Arbeit machen und etwas unternehmen, wo doch alle so ausgelastet sind? Wer Ahnung hat von Marketing kennt die Antwort. Die anderen werden es früher oder später selber merken und mit Marktanteilsverlusten teuer bezahlen.